Wettbewerb Ilversgehofener Platz

Wettbewerb zur Quartiersentwicklung Ilversgehofener Platz

Städtebauliche Konzeption
Der Entwurf setzt auf eine geschlossene Blockrandbebauung mit Einzelbaukörpern im Innenbereich. Dadurch wird der Innenbereich von Straßenlärm abgeschirmt.  Gestalterisch erfolgt eine differenzierte Ausarbeitung der Fassaden nach Außen und Innen, sowie zwischen Magdeburger Allee und Stollbergstraße. Die Randbebauung zur Magdeburger Allee und Ecke zur Stollbergstraße erhält dabei eine starke Formensprache, wodurch sie „großstädtisch“ wirkt und einen angemessenen Rahmen für den
Ilversgehofener Platz bildet. Der Baukörper erhält eine horizontale Betonung mit Absatz der Erdgeschosszone als Gewerbefläche.
Dabei nimmt der Entwurf Bezug auf die großteilige Struktur der Magdeburger Allee, wie sie bei der Anfahrt auf das Grundstück aus Richtung Innenstadt wahrgenommen wird.
Über die Dach- und Fassadengestaltung erfährt der Baukörper eine Auflockerung.
Die besondere Ecksituation wird mittels Überhöhung sowie sich aus der Fassade schiebenden Fenster-Elementen und Über-Eck-Verglasungen betont.
Die Blockrandbebauung der Stollbergstraße ist im Vergleich kleinteiliger und nimmt damit Bezug auf die umliegenden gründerzeitlichen Strukturen. Die spielerische Dachgestaltung trägt weiter zur Auflockerung des Baukörpers bei.
Eine Durchwegung des Blockrandes in der Stollbergstraße schafft den Zugang zu den Wohnhäusern im Innenbereich und ist gleichzeitig notwendiger Durchgang für Feuerwehr und Anwohner der Stollbergstraße in den Innenhof.
Der höheren Dichte im Innenhof wurde mit einer Auflockerung der Baukörper begegnet, welche aufgrund der allseitigen Belichtung flexibler gestaltet werden können. Die Ausrichtung und Positionierung der Baukörper im Innenbereich wurde mittels einer Belichtungsstudie durchgeführt.
Durch den Auslober war die Befahrung des Innenhofes durch die Feuerwehr ausgeschlossen worden. Die Gebäude im Innenbereich können bis zum 2. Obergeschoss über eine Handleiter der Feuerwehr erreicht werden. Das Staffelgeschoss, welches keinen eigenen zweiten Rettungsweg besitzt, ist im Innenhof ausschließlich mit Maisonette-Wohnungen besetzt.
Der Diskrepanz zwischen der Anforderung des Bauherren an die insgesamt zu erreichenden m²-Wohnfläche und den Anforderungen des Bauplanungsrechtes an die mögliche Grundflächenzahl wurde mit dem optional entfernbaren Baukörper (I) begegnet.
Die Flachdachbereiche werden als Terrassen genutzt oder extensiv begrünt.

GSW_Ilvers_002
Freianlagen
Die Freiflächen zum Wohnensemble gliedern sich in öffentlich, halböffentlich und privat genutzte Flächen. Entlang der Stollbergstraße liegen öffentliche Gehwege, Stellplätze und Zufahrten, sowie Nutzflächen für die Außenbewirtschaftung des Backshops.
Wo möglich, sind den Erdgeschosswohnungen Terrassen mit anschließender privater Gartennutzung zugeordnet.
Halb öffentlich nutzbare Flächen die den Mietern vorbehalten sind, finden wir in den südlichen und westlichen Innenhofteilen entlang der Nordfassaden und der Gewerbeunterlagerung. In diesen Flächen sind Spielplätze, bespielbare Hofflächen, Aufenthaltsbereiche und strapazierfähige Grünflächen vorgesehen.
Die vorgeschlagenen Begrenzungen durch Hecken zwischen privaten und halböffentlichen Flächen sind leicht zu verschieben, wodurch sich die gewünschte Flexibilität der Wohnungsgrundrisse auch in der Freifläche nahtlos fortsetzt. Der Entwurf ermöglicht Flächenzuordnung im Erdgeschoss nach Mieterwunsch.
Gewerbe und Zonierung Erdgeschoss
Die Erdgeschossfassade springt in der Magdeburger Allee zurück, um der Freifläche mit
Straßenbahnhaltestelle am Ilversgehofener Platz mehr Platz zu geben und die nötige Ruhe für einen Freisitz Backshop zu gewinnen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Bespielung des Eckbereichs, welcher durch den Backshop besetzt ist. Dieser nutzt für seine Außenbestuhlung sowohl den Ilversgehofener Platz als auch den Vorgartenbereich der Stollbergstraße.
Die Anlieferung der Gewerbeflächen erfolgt über eine Einfahrt aus der Stollbergstraße, die baulich im Gewerbebereich eingefasst ist.
Alle Wohnungen im Erdgeschoss sind gemäß §50 ThürBO rollstuhlgerecht gestaltet.
Wohnungsgrundrisse
Obwohl die Baukörper gestalterisch unterschiedlich ausgeformt sind, findet sich bei den
Wohnungsgrundrissen eine „serielle Wiederholung“ der konstruktiven Haupttragstrukturen und der einzelnen Raumtypen.
Die punkterschlossenen Häuser besitzen jeweils zwei 3-Raum-Wohnungen und zwei Schalträume, welche entweder als Appartement einzeln genutzt oder den 3-Raum-Wohnungen zugeordnet werden können.
Mit durchgesteckten Wohnbereichen wird eine optimale Belichtung aller großen Wohnungen erreicht.
Durch die Aufteilung der Nebenräume erfüllen die Wohnungen in jeder Zusammenstellung die Anforderungen der Aufgabenstellung.
Die flexible Grundrissstruktur lässt sich durch minimalste bauliche serielle Eingriffe wie das Einsetzen einer Tür der sich verändernden Nachfrage anpassen und garantiert so eine lange Nutzbarkeit.
Die Dachlandschaft wird zur Wohnfläche. Wohnungen werden Dachterrassen zugeordnet. Dies gibt dem Quartier eine besondere Qualität.
Tiefgarage und Keller
Die Tiefgarage ist gemäß ThürGaVO als Großgarage klassifiziert.
Die Lüftung wird über freie Querschnitte sichergestellt, was eine Minimierung der notwendigen Technik ermöglicht. Als Kompensationsmaßnahme zur Reduzierung des Schalleintrages in den Innenhof und an der Ein-/Ausfahrt in die Stollbergstraße wird als Ergebnis schalltechnischer Untersuchungen die Verkleidung der Einfahrt, Teile der Decken sowie von Wandteilen in den Großgrün-Schächten mit schallabsorbierenden Materialien vorgeschlagen.
Für die Abgrenzung der privat genutzten von den gewerblichen Stellplätzen wird mit Pollern gearbeitet, welche z.B. über eine Fernsteuerung betätigt werden können. Die Zuordnung der Stellplätze zu den Wohngebäuden wird über eine Dreiteilung der Tiefgarage erreicht. Zusätzlich werden in der Tiefgarage sowie in den angrenzenden Kellerräumen Abstellflächen für Motorräder und Fahrräder, Nebenflächen für die Gewerbeeinheit(en), Abstellräume zu jeder Wohnung sowie zusätzlich gemeinsame Abstellräume für Kinderwägen, Fahrräder etc. vorgesehen.
Die Erschließungskerne aller Wohnhäuser sind direkt mit der Tiefgarage verbunden.
Die Verbindung zwischen Gewerbe und Tiefgarage sowie den Nebenflächen im Kellergeschoss erfolgt über zwei separate Aufzüge sowie die Treppenhäuser der Wohngeschosse.
Bauliche und energetische Konzeption
In logischer Konsequenz der wiederkehrenden Grundrisse und Bauteile wird eine serielle,
kostensparende Bauweise mit der Verwendung von Beton-Fertigteilen vorgeschlagen. Die mögliche Vorfertigung spart Bauzeit und bringt deutliche wirtschaftliche Vorteile;
Die Fassade erhält eine mineralische Dämmung und einen farbigen Anstrich.
Die überhöhte Erdgeschosszone in der westlichen Grundstückshälfte bietet ausreichend Platz für technische Einbauten und eine Abfangung der darüber liegenden Tragstruktur (Unterzüge), wodurch eine hohe Flexibilität in den Gewerbeeinheiten erreicht wird.
Das energetische Konzept baut auf einer angemessen gedämmten und luftdichten Gebäudehülle mit hohem Speichervermögen auf. Als Energieträger wird Fernwärme gewählt. Passend zum vorgegebenen Kostenrahmen erhalten die Wohneinheiten eine Einzellüftung mit Abzug aus Küche und Bad und Außenluft-Durchlasselementen in den Fenstern, welche auf die Grundlast der nutzerunabhängigen Lüftung ausgelegt ist. Die großflächigen Verglasungen erzielen zusätzlich einen solaren Wärmeeintrag, der über den außenliegenden textilen Sonnenschutz geregelt werden kann.
Die Wohnungen werden über flache Heizkörper im Sockelbereich (z.B. Heizleisten) geheizt.

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